In den Skulpturen, Zeichnungen und Performances von Jonathan van Doornum treffen Technik, Kommunikation und Magie aufeinander.
Poetische Geschichten aus Aluminium
Jonathan van Doornum fertigt seine Werke häufig aus Aluminium. Ein kaltes Material, dem van Doornum eine weiche, erzählerische Kraft verleiht, indem er es zum Beispiel zu Flammen, Kringeln oder Bögen formt. Seine Bildsprache ist sowohl von antiken, zeremoniellen Objekten als auch von den modernsten Techniken beeinflusst. Auf diese Weise macht Van Doornum eine poetische Welt sichtbar, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. Wechselnde Beziehungen ziehen sich wie ein roter Faden durch sie.
Unsere gegenseitigen Kontaktmöglichkeiten haben sich im letzten Jahrhundert stark verändert. Spiritualität, Religion und Tradition sind weitgehend aus unserem Alltag verschwunden und haben Lücken hinterlassen, die durch technische Erfindungen gefüllt werden. Das führt automatisch dazu, dass unser Lebensumfeld immer funktionaler wird, ohne den Glanz, den wir von Kirchen oder mittelalterlicher Architektur kennen. Anstelle von Treffpunkten werden 5G-Masten aufgestellt. Van Doornums futuristisch anmutende Skulpturen spiegeln dies wider; durch die Kombination digitaler Ästhetik mit ornamentalen Details scheinen seine Skulpturen Signale aus verschiedenen Zeiten auszustrahlen. Sein Werk kann somit als Gegenbewegung zu unserer digitalen Revolution gesehen werden oder als Aufruf, sich auf andere oder neue Weise zu verbinden.
Stadt und Land
In seinen jüngsten Arbeiten beschäftigt sich Van Doornum vor allem mit der Beziehung zwischen Stadt und Land. Der aus Zwolle stammende und in einer ländlichen Gemeinde geborene Künstler weiß, dass städtische Gebiete vom Land aus traditionell oft mit einer Mischung aus Unmut und Neid betrachtet werden. Dieser Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie ist Jahrhunderte alt, auch wenn die jüngsten Wahlen zeigen, dass sich dieses Verhältnis verschiebt.
Viele der Formen und Motive, denen man auf dem Lande begegnet, lässt Van Doornum in seine neuesten Arbeiten einfließen. Zu diesem Zweck webt er vertraute ländliche Elemente in seine Skulpturen ein und verleiht ihnen gleichzeitig unterschiedliche Konnotationen. Mit einem Pflug, dessen Hände wie die von Büroangestellten aussehen, antwortet er auf das Gefühl des Landlebens gegenüber der Stadt und umgekehrt. Hier geht es Van Doornum darum, Orte zu verbinden, die instinktiv meilenweit voneinander entfernt sind. Für Van Doornum ist die Antenne, ein Gerät, das Orte auf Distanz miteinander verbindet, ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land: Wie können sich diese beiden Welten einander annähern, und was können sie dabei voneinander lernen?
Meet the artist
Jonathan van Doornum (1987, Mariënberg, NL) lebt und arbeitet in Zwolle. Er erhielt seinen Bachelor of Fine Art von ArtEZ in Zwolle und nahm anschließend an mehreren Aufenthalten in Europa teil, unter anderem an der Rijksakademie Amsterdam und Wiels in Brüssel. Seine Arbeiten wurden in mehreren Gruppenausstellungen gezeigt, darunter Roosen & Guests (2023) im Kasteel het Nijenhuis. Van Doornum hatte mehrere Einzelausstellungen, unter anderem in der Kunstvereniging Diepenheim, bei Wiels in Brüssel (BE) und zuletzt bei SecondRoom in Antwerpen (BE). Dark There, Joyful Here ist seine erste museale Einzelausstellung im Rahmen der Fundatie Future Factory, dem Labor des Museum de Fundatie. Hier erforschen multidisziplinäre Macher den Herzschlag der Zeit. Welche Themen bestimmen die Zukunft?